Zeitzeugengespräch mit Holocaust-Überlebendem

Herr Finsches wurde am 11. September 1927 in Wien als Kind zweier jüdischer Kaufleute geboren. Bereits mit 10  Jahren erlebte er seinen ersten gewaltsamen Angriff auf sich seitens der Hitlerjugend. 1938 wurde der mittlerweile 11-jährige Junge aufgrund seiner jüdischen Abstammung das erste Mal verhaftet und kurz darauf an die Geheime Staatspolizei (Gestapo) übergeben, die ihn in ein Arbeitslager zum Erzabbau schickte. Doch die harten Arbeiten zu erledigen war für ihn dort unmöglich, also wagte er einen Fluchtversuch. Wider Erwarten schaffte der 11-Jährige es, vier Monate unentdeckt durch die Wälder zu streifen und einen Weg zurück nach Wien zu finden. Dort verbrachte er einige Jahre im Untergrund und unter ständiger Angst aufzufliegen, bis Herr Finsches im April 1942 entlarvt und von der Gestapo wieder zur Arbeit gezwungen wurde.

 Mit 14 Jahren gelang ihm eine weitere Flucht, diesmal in das Nachbarland Ungarn, wo er einige Zeit in Freiheit leben konnte. 1944 entdeckte ihn die Geheime Staatspolizei erneut, doch diesmal führte sein Weg in das Konzentrationslager in Auschwitz. Die dort verbrachte Zeit, so Herr Erich Finsches, sei das Schlimmste, was ihm je widerfahren ist. Er wurde gefoltert und musste arbeiten bis zum Umfallen. Wenig später wurde er nach Mühldorf am Inn, ein Außenlager von Dachau, verlegt, wo sich die Tortur fortsetzte.

 Kurz vor Kriegsende im Jahr 1945 kam der 17-Jährige an sein Limit. Starke Unterernährung und endlose Erschöpfung durch Arbeiten unter Extrembedingungen forderten ihren Tribut und er brach während der Arbeit zusammen. Dem Tode näher als dem Leben, wurde er schließlich nach Kaufering transportiert, wo seine Leidensgeschichte endlich ein Ende nahm. Amerikanische Truppen befreiten den geschändeten jungen Mann, der zu diesem Zeitpunkt nur noch 29 kg wog. Er kam in einem Lazarett unter, in dem er wieder einigermaßen gesund gepflegt wurde.

Heute ist Erich Richard Finsches stolze 92 Jahre alt und erzählt Menschen seine tragische Geschichte. Er leidet noch immer an schweren Körperverletzungen, die ihn stets an seine Gefangenschaft erinnern.

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